Namibia – Tagebuch Teil 2

Das Arbeiten auf der Farm macht mir unheimlich viel Spass. Wie man so sagt „man hat nie ausgelernt“ und so geht es mir. Ich habe extrem viel gelernt, zum Beispiel wie man Sahne macht, Buttermilch erhält, Quark produziert, Käse herstellt, Fleisch trocknet, die Pflege der Tiere und und und…..
Ein grosses Problem für die Landwirtschaft in Namibia ist das Wasser. Seit ca. 5 Jahren gab es keine richtige Regenzeit mehr, das Wasser ist knapp und das Land trocken. Das Futter für die Tiere muss zugekauft werden und ist entsprechend teuer. Einige Farmer haben bereits Land und Tiere verkauft, andere hoffen auf den Tourismus und bieten Übernachtungen auf der Farm und Ausflüge in der Umgebung an. Auch Inge macht sich Gedanken und hofft auf den grossen Regen!

Die Zeit auf der Farm fliegt, die 4 Wochen sind schon fast um und es gibt noch einiges zu organisieren bis Keisha (meine Tochter) am 25.03.2019 in Namibia ankommt. Gemeinsam werden wir mit einem Pickup den Süden Namibias bereisen. Zwei Frauen und ein grosses Auto…..
Inge führt mich in die Kunst des Fahrens mit einem grossen Auto auf Namibias Strassen ein. Oft sind diese nicht geteert, sie sind sandig und dementsprechend rutschig. In Namibia wird nicht auf der rechten Seite gefahren, hier fährt man auf der linken Seite. Auch, sollte es mal regnen, heisst es: aus Sand wird Schlamm. Ich bin froh, durfte ich für Inge den Chauffeur spielen und hatte so die Gelegenheit, strassentauglich in Namibia zu werden.

Am Samstag 24.03.2019 fahre ich zum letzten Mal mit Inge nach Windhoek auf den Biomarkt. Nach dem Markt heisst es dann Abschied nehmen. Ich werde in Windhoek bleiben und noch ein paar Besorgungen für die Reise mit Keisha machen. Obwohl ich mich sehr auf Keisha freue, fällt mir der Abschied von Inge und der Farm schwer. Ich werde mit Sicherheit oft an diese Zeit denken und wünsche Inge von Herzen alles Gute und hoffe ihre Pläne und Wünsche werden sich erfüllen.

Endlich, es ist soweit, am 25.03.2019 hole ich den gemieteten Pickup ab, der mit allem was man so zum Campen braucht, ausgerüstet ist, samt Zelt auf dem Dach. Ich fahre direkt zum Flughafen um Keisha in Empfang zu nehmen. Bin ein wenig nervös und freue mich riesig, es sind doch 2 ½ Monate vergangen, seit wir uns in der Schweiz verabschiedet haben. Die Tür beim Zoll geht auf und da steht sie. Ich bin sehr stolz auf meine Tochter und froh, sie endlich wieder in den Arm nehmen zu können.

Nachdem wir alles im Auto verstaut haben, geht es los. Wir machen noch einen kurzen Stopp um Proviant einzukaufen und dann beginnt unsere Reise durch den Süden Namibias.
Unser erstes Ziel ist der Quiver Tree Forest (Köcherbaum Wald) in Keetmanshoop. Die Sonne geht bereits unter als wir auf unserem ersten Campingplatz im Quiver Tree Nationalpark ankommen. Was mir doch ein wenig Sorgen bereitet, ist, ob wir es schaffen, das Zelt auf dem Autodach zu öffnen oder ob wir im Auto übernachten müssen. Die Dame am Empfang vom Campingplatz, erklärt uns, dass es ziemlich einfach sei das Zelt zu öffnen, sollte es aber dennoch nicht klappen, dürfen wir gerne Bescheid geben und sie werde jemanden schicken, der uns helfen könne.
Klar, zwei Frauen und ein Zelt, wir versuchen es, geben uns Mühe, wir wollen schliesslich nicht dumm dastehen! Aber, wie wir es auch drehen, es klappt nicht. Enttäuscht über unsere «Niederlage» bitten wir die Dame am Empfang, jemanden zu senden der uns helfen kann. Es ist uns ein wenig peinlich, der junge Mann hat, ganz alleine, nach knapp zwei Minuten das Zelt aufgebaut. Was für eine «Niederlage»…….
Natürlich war er so nett und hat uns genau gezeigt, wie man das Zelt öffnet, ich muss sagen, etwas Einfacheres als das gibt es nicht!!
Nachdem wir uns eingerichtet haben, geniessen wir unseren ersten gemeinsamen Abend unter einem wunderschönen Sternenhimmel. Es gibt viel zu erzählen und zu besprechen, der Abend wird lang und die Nacht kurz. Was ich völlig unterschätzt habe, ist, dass es in der Nacht zu dieser Jahreszeit in Namibia ziemlich abkühlt. Unsere Decke war dementsprechend nicht ausreichend und wir sind am Morgen ziemlich unterkühlt aufgewacht. Wir müssen ganz dringend wärmere Decken besorgen!
Nach dem Frühstück und einem Kaffee, klappen wir unser Zelt, mit Erfolg, zusammen und los geht es. Die Landschaft ist beeindruckend und die verschiedenen Farben der Natur einmalig, immer wieder machen wir einen Halt um ein paar Photos zu machen. Wir geniessen das Gefühl der Freiheit mit guter Musik, Erinnerungen und viel Humor.

Die Tage vergehen, das Auf- und Abbauen des Zeltes ist in wenigen Minuten gemacht. Wann immer es möglich ist, haben wir am Abend ein Feuer an dem wir sitzen, uns wärmen, den Tag besprechen, diskutieren und viel lachen.
Jeden Tag hoffen wir, eines der Big 5 (Nashorn, Elefant, Löwe, Giraffe, Nilpferde) zu sehen. Es ist nicht so, dass wir gar keine Tiere sehen, wir haben bereits Vogel Strauss, viele Oryx, Springböcke und eine Schildkröte gesehen, aber es wäre schon schön, eines der Grossen zu sehen. Es wird ein tägliches Spiel, wer sieht zuerst eines der Grossen!
Wir geniessen die Tage und die Landschaft, ein wechseln zwischen, Sand, Stein und Grün. Noch immer sind wir völlig beeindruckt von den Farben und den wechselnden Landschaftsbildern. Unsere Strecken besprechen wir am Abend, das Fahren auf den Strassen und dem Sand sind kein Problem. Und plötzlich, unerwartet ruft Keisha: „ein Zebra“
Tatsächlich, endlich, nach Tagen mit Vogel Strauss, Springböcken und Oryx, eine Herde mit Zebras. Es ist ja nicht so als ob wir noch nie ein Zebra gesehen hätten. Aber zu wissen, dass diese Zebras in der Freiheit leben, macht dieses Ereignis zu etwas ganz Speziellem!

Langsam erreichen wir den Süden von Namibia, wir kommen zum Oranje River, dem Grenzfluss zu Südafrika. Gemütlich fahren wir dem Fluss entlang und geniessen das satte Grün der verschiedenen Pflanzen, was eine schöne Abwechslung zum Sand und Stein der letzten Tage ist. Nur ganz selten kommt uns ein Auto entgegen und schliesslich erreichen wir das Ende der Schlucht und befinden uns auf einer mehrspurigen geteerten Strasse. Unser Ziel, Kolmanskop die Geisterstadt mitten in der Wüste, Lüderitz und das Meer. Wir finden einen sehr speziellen Campingplatz, mit Sicht direkt auf’s Meer. Vom Meer kommt ein starker Wind, so dass wir unser Dachzelt mit speziellen Hacken sichern müssen (die wir doch tatsächlich am nächsten Tag auf dem Platz vergessen). Ein Feuer am Abend ist nicht möglich, der Wind ist zu stark. Unser Zelt klappert und zittert in der Nacht, es ist laut und ein ziemlich komisches Gefühl. Am nächsten Morgen verzichten wir auf das Frühstück am Meer, der Wind ist noch immer heftig. Wir ziehen es vor, in einem gemütlichen Restaurant zu Frühstücken, wo uns der Wind nicht das Essen vom Teller fegt…

Da wir noch nicht alle Big 5 gesehen haben, fahren wir weiter ins Landesinnere und hoffen auf eines von den Tieren. Und wir werden belohnt. Auf der Strecke treffen wir auf eine kleine Gruppe Giraffen. Wir werden von denen genauso bestaunt wie wir sie bestaunen. Ein wunderschönes Tier mit der Musterung, dem langen Hals und die langen Beine. Wir sind völlig beeindruckt und geniessen den Moment.
Wir fahren über einen Pass nach Sesriem, weiter zur Walfishbay und Swakopmund. In Swakopmund bleiben wir ein paar Tage und geniessen das Stadtleben. Wir machen einen Ausflug mit dem Boot zu den Seelöwen, essen Austern, geniessen die feinen Meeresfrüchte im Restaurant und gehen den kleinen Shops nach. Nach den täglichen Fahrten mit dem Auto, ist eine schöne Abwechslung die wir sehr geniessen.
Weiter fahren wir der Skeleton Coast hoch und übernachten auf dem Palmwag Campingground. Wir buchen für den frühen Abend eine Tiersafari und hoffen auf Elefanten, Giraffen oder ein Nashorn. Wieder einmal gehören wir zu den Gewinnern. Zuerst sichten wir Giraffen und dann treffen wir auf eine Nashornmutter mit ihrem Jungen, was, wie uns gesagt wurde, ganz selten ist.
Wenn man in Namibia ist, sollte man natürlich auf jeden Fall den Etosha Nationalpark besuchen, was wir auch gemacht haben. Der Nationalpark ist ein Self Driving Park und so durchqueren wir ihn von einer Seite zur anderen Seite. Wir werden belohnt, wir sehen Elefanten, Zebra’s, Springböcke, Oryx und Giraffen, somit haben wir schon drei von den Big 5 gesehen, fehlen nur noch die Löwen und die Nilpferde.

Unserer Tage sind nun gezählt, das Ende unserer Reise kommt immer näher. Wir entschliessen uns nochmals in einen Nationalpark zu gehen und eine geführte Safari zu machen. Wir treffen auf Wildhunde, Nilpferde, Giraffen, Zebras und entdecken zwei Löwen, die sich gerade eine Giraffe teilen. Unser Fahrer geht sehr nahe an die Tiere ran und meint, da die Löwen gerade gespeist hätten, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, sie hätten mit Sicherheit kein Interesse an uns. Aber trotzdem, ich habe ein komisches Gefühl so nahe bei den Löwen zu sein. Natürlich ist es für ein Photo perfekt, aber…..
Der Campingplatz ist sehr schön und wir geniessen nochmals einen Abend am Feuer unter einem Himmel voll mit Sternen!

Da wir nun in der Nähe von Inge sind, entschliessen wir uns, die letzte Nach bei ihr zu verbringen und am nächsten Morgen von da nach Windhoek zu fahren. Wir verbringen einen sehr schönen Abend auf der Farm mit einem leckeren Essen.
Am nächsten Morgen heisst es, zurück nach Windhoek, das Auto abgeben und noch eine Stadtbesichtigung und am 07.04.2019 geht es zum Flughafen, wo wir gemeinsam nach Doha fliegen. In Doha heisst es dann Abschiednehmen. Keisha fliegt zurück in die Schweiz und mein Weg führt über Sri Lanka nach Indien.
Es war eine unglaublich schöne Reise mit Keisha, ich werde sie vermissen und hoffe wir können so eine Reise bald wiederholen.
Die drei Monate in Namibia waren sehr bereichernd, ich habe viel gelernt und gesehen, über die Geschichte Namibias erfahren. Habe viel gelacht, super lecker gegessen und tolle Gespräche geführt. Ich werde auf jeden Fall gerne an diese Zeit denken und nehme viele neue Erfahrung auf meine weitere Reise mit. Nun bin ich gespannt und freue mich auf neu Abendteuer in Indien!

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