Namibia

17. März 2019

7. Januar 2019, nach drei Monaten planen mit grosser Unterstützung von Freunden, beginnt mein Abenteuer: Ich reise um zu leben! Ich weiss nicht wie lange und ich weiss auch nicht wo es mich überall hinführen wird, aber ich weiss, der Flug heute, der wird mich nach Windhoek (Namibia) bringen.

Ich bin unterwegs, um Menschen, Kulturen und Länder kennen zu lernen. Ich werde dort bleiben und arbeiten, wo es mich braucht. Ich arbeite für ein Bett und etwas zu Essen. Wenn ich gerade keine Arbeit habe, dann bin ich am Reisen, denn ich muss nicht, ich darf.

Drei Monate Namibia, ein Land mit Weite, Sonne, Wärme und Farben! Die Einreise verlief ohne Probleme. Meine erste Arbeitsstelle habe ich bereits in der Schweiz organisiert. Ich werde in Namibia, in Outjo, Restaurant Farm House im Service und bei der Kinderbetreuung helfen. Meine Gastgeber, Anastacia und ihr Sohn Xolani, lernte ich bereits in Frankfurt am Flughafen kennen, zusammen sind wir weiter nach Windhoek (Namibia) geflogen. Anastacia hat ihr Auto in Windhoek parkiert, somit fahren wir bequem nach Outjo, was ca. 350 Kilometer nördlich von Windhoek liegt. Ich beziehe mein Zimmer im Haus von Anastacia und Xolani, dann geht es weiter ins Farm House. Die Begrüssung war, als ob ich schon immer da gearbeitet habe, offen und sehr herzlich, mit einer Umarmung und viel Freude!

Die ersten Tage hat Xolani noch Ferien, was heisst, ich verbringe die meiste Zeit mit ihm und unterhalte ihn. Wir sind mit dem Rad unterwegs, spielen Spiele und gehen für ein Rock Shandy (das Nationalgetränk von Namibia) ins Farm House. Xolani geht im Nachbardorf, Otjiwarongo, in die Schule, was ca. 70 Kilometer von Outjo entfernt liegt. Es ist eine deutsche Privatschule. Die Kinder bleiben unter der Woche dort und am Freitag werden sie abgeholt. Das heisst für mich, ich hole ihn am Freitag ab und bringe ihn montags früh wieder in die Schule.

Nachdem Xolani wieder in der Schule ist, darf ich endlich meinen Job im Restaurant aufnehmen. Ich liebe es Menschen und ihre Geschichten kennen zu lernen und wo könnte man das besser als in einem Restaurant mit Gästen von der ganzen Welt! Mein Job besteht darin, am Morgen das Restaurant zu öffnen oder/und am Abend zu schliessen. Ich helfe am Morgen das Restaurant zu reinigen und ready für den Tag zu machen, am Abend rechne ich die Kasse ab, helfe im Service, zähle den Stock und stehe an der Kasse. Das Team im Farm House arbeitet in zwei Schichten. Die Arbeit und der Umgang mit dem Personal machen mir sehr viel Spass. Da es Zwischensaison ist, ist es eher ruhig bis zum Teil etwas langweilig. Wir vertreiben uns daher die Zeit mit Aufräumen, Umstellen, Aufstocken und natürlich dürfen ein kleiner Spass und ein Lacher nicht fehlen.

Die Gäste sind sehr nett und wirklich international, sie sind offen für ein Gespräch und erzählen gerne von den Reiseerfahrungen in Namibia oder der Welt. Zwei Männer mit dem Motorrad machten einen Stopp im Farm House, ich habe gesehen, dass die Motorradnummer von Deutschland ist, also habe ich sie angesprochen und sie erzählten, sie haben ihre Reise in Spanien gestartet und wollen in sieben Wochen ganz Afrika runter bis Cape Town fahren und von da mit dem Flieger zurück nach Deutschland. Dann war da ein älterer Mann, auch von Deutschland. Er reist seit Jahren alleine, mietet ein Auto im Land und los gehe es. Nebenbei schreibt er Kurzgeschichten von den Erlebnissen oder Bekanntschaften unterwegs. Wer weiss, vielleicht bin ich nun auch ein Teil einer Kurzgeschichte……….

Natürlich kamen auch Gäste von der Schweiz, wie zum Beispiel ein junger Mann mit seiner Schwester. Er studiert Medizin und war eben für ein paar Monate in Südafrika um ein Praktikum zu machen. Seine Schwester ist ihm dann nachgeflogen und zusammen reisten sie nach Namibia und von da, geht es dann zurück in die Schweiz. Es sind auch viele Gäste, die nicht das erste Mal in Namibia sind, die immer wieder gerne einen Stopp im Farm House machen. Auch Einheimische von Outjo selbst kommen ab und zu auf ein Essen oder holen sich eine Pizza. Man kennt mich langsam und kommt ins Gespräch. Die Tage und Wochen vergingen sehr schnell. Die Wochenenden habe ich jeweils mit Xolani verbracht, das heisst eine sieben Tage Woche war ganz einfach normal. Die Arbeitsstunden oder Präsenszeiten lagen ab und zu mal bei 11 bis 16 Stunden, viel Zeit für mich blieb nicht. Ich war ready für eine Pause und etwas Zeit für mich. Ein wenig Adventure und Bewegung war genau das richtige. Und wo wäre es besser als in der Ugab Terrace Lodge in Kamanjab bei dem Vingerklip (Felsformation), mit Zipline und Wanderwegen! Ich habe das Wochenende richtig genossen, die Zipline und das Wandern haben unheimlich Spass gemacht und sind auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man in der Gegend ist. Die Landschaft da ist wunderschöne und die Felsformationen einmalig. Ein durch und durch gelungener Ausflug!!

Die Tage im Farm House vergingen und der Alltag holte mich ein. Nach sechs Wochen hatte ich ein Gespräch mit Anastacia, wir waren uns nicht in allem ganz einig. Da ich ja nicht muss, sondern darf, habe ich mich entschlossen, das Restaurant zu verlassen und mir eine neue Herausforderung zu suchen.

Ich habe mich in der Ijaba Lodge at Buschfeld Park vom 15.-20.2.19 einquartiert. Das gab mir etwas Zeit zum überlegen, was will ich und wie es weitergehen soll. Da meine Tochter Keisha am 25.3.19 zu mir nach Namibia kommt und wir zusammen zwei Wochen reisen werden, suchte ich eine Lösung für die Zeit dazwischen. Es gab ein Angebot in einem Hostel in Windhoek zu arbeiten, zu Inge auf die Farm gehen oder ich überlege, ob ich ein Auto mieten und Richtung Botswana fahren soll.

Am 20.2.19 fuhr ich mit einem Sammeltaxi von Outjo nach Otjiwanrongo und von da mit einem zweiten Taxi nach Windhoek. Es ist immer wieder interessant, mit was für Menschen man zusammen kommt. Jacob war unser Fahrer nach Otjiwarongo, mit mir im Taxi waren Laurence und Maria. Laurence hat die Apartheit noch eins zu eins miterlebt und erzählt, wie er als Jugendlicher fliehen musste, ohne Geld, Essen und zu trinken. Wie er Angehörige verloren hat und das er dann nach der Trennung zwischen Südafrika und Namibia, hiergeblieben ist. Maria ist auf dem Wege zum Arzt und Einkaufen. In Otijwanrongo schaute Jacob, dass ich ein geeignetes Taxi nach Windhoek finde, jemand der mich bis zu meinem Hostel fährt, dass ich gebucht hatte. Die Sammeltaxis sind relativ kleine Autos, wir waren bereits zu zweit auf der Rückbank, auf der anderen Strassenseite steht eine doch etwas beleibte Dame mit einem Jungen, ich denke noch, die wird bestimmt nicht in unser Taxti steigen. Aber falsch gedacht, die Dame kommt mit dem Jungen direkt auf unser Taxi zu, sie öffnet die Tür und steigt ein. Ich musste noch ein Stück rücken damit sie platz hatte, den Jungen nahm sie auf den Schoss. Ich muss sagen, ich habe es auf dieser Fahrt als ziemlich eng befunden und das Sitzen war irgendwann auch nicht mehr wirklich bequem, denn, wir waren nun drei Frauen plus ein Kind hinten und zwei Männer vorne. Wenn man bedenkt, die Fahrt von Otjiwarongo nach Windhoek dauert locker 2,5 Stunden! Der Junge musste nach Windhoek für eine weitere Chemo, er hat Leukämie, die anderen fahren für einen Einkauf in die Hauptstadt.

In Windhoek angekommen und nach einer kleinen Stadtbesichtigung, wurde es Zeit, dass ich mich entscheide und meine weiteren Pläne definiere. Da mir Windhoek nicht wirklich gefällt, habe ich mich gegen das Hostel entschieden, die Reise mit dem Auto nach Botswana klang verlockend aber nein, ich warte auf Keisha. Ganz klar, wenn man schon in Namibia ist, sollt man sich ein Leben auf einer Farm nicht entgehen lassen! Ich freu mich auf schmutzige Hände und harte Arbeit……

Nachdem ich mich für die Farm entschieden hatte, habe ich mit Inge Kontakt aufgenommen. Sie ist jeweils am Samstag auf dem Biomarkt in Windhoek. Wir haben uns für den Samstag verabredet, somit konnte ich nach dem Markt direkt mit ihr zurück auf die Farm fahren. Diese liegt ca. 150 Kilometer nördlich von Windhoek. Seit dem Tod ihres Mannes, führt sie die Farm selbst und arbeitet sehr hart. Ich freue mich und hoffe ich kann ihr ein wenig Unterstützung geben. Natürlich hat sie auch Arbeiter die sie beschäftigt, aber, das können heute fünf sein und morgen sind es dann nur noch zwei, weil sich drei entschieden haben, die Arbeit sei zu streng oder sie haben ganz einfach keine Lust!!

Inge hat Milchkühe und Ziegen, sie produziert Käse, Rahm, Butter und Ghee. Sie hat Wachteln, züchtet Papageien und produziert von zugekauftem Wildfleisch (z. Bsp. Oryx, Gemsbock) Trockenfleisch (Biltong) und Würste. Auf der Farm leben noch drei Hunde und eine Pfauenfamilie, es hat wunderschöne alte Bäume, einen grossen Kräutergarten und die Wäsche trocknet draussen an der Sonne. Ein kleines Paradies, dass mit sehr viel Arbeit verbunden ist.

Das Leben auf der Farm macht richtig Spass, die Arbeit geht nicht aus, wir haben immer etwas zu tun. Ich füttere die Kälber und Wachteln, stehle die Wachteleier, giesse und dünge die Pflanzen, sortiere Gläser und Räume die Kammer auf. Ich koche den Käse, verpacke und beschrifte ihn, verpacke das Fleisch und sortiere die Rechnungen. Ich bin Chauffeur, Masseur, Gärtner, Tierpfleger und am Samstag helfe ich auf dem Markt in Windhoek mit.

Am Abend kochen und essen wir gemeinsam, ab und zu machen wir einen Braai (grillieren auf Africans), es schmeckt einfach lecker bei Inge! Wir haben Zeit für Gespräche, hören gute Musik, schaue Inge beim Spinnen auf dem Spinnrad zu (werde gerade in die Kunst eingeführt, ist gar nicht so einfach) und lese ein gutes Buch. Und natürlich, zu einem Glas Wein sage ich nicht nein!

6.3.2019 was für eine Freude, während wir nach Okahandja Einkaufen fahren, kalbt eine der Kühe und als wir gegen Mittag zurück sind, haben wir ein kleines, süsses Kälbchen mit riesen Kulleraugen!